Magazin für Einkäufer, Marktfirmen
und Fans des Grossmarktes Hamburg

mit Herrn Niemeyer

Fotos: GROSSMARKT HAMBURG
Herr Niemeyer im Zusatzstoffmuseum

Zwischen Wissenschaft und Geschmack: Ein inspirierendes Interview mit Christian Niemeyer, dem Leiter des Zusatzstoffmuseums über Besuchererwartungen und seine faszinierendste Zutat. 

Redaktion: Wie sind Sie darauf gekommen, ein Museum für Zusatzstoffe zu gründen?

Niemeyer: Das Zusatzstoffmuseum wurde 2008 gegründet und wird von der Hamburger Lebensmittelstiftung getragen, einer gemeinnützigen Stiftung. Das Museum möchte. den Verbrauchern Informationengeben, damit sie im Alltag eben auch mal nachfragen können und sich besser informiert fühlen.

Red: Hatten Sie in der Vergangenheit schon berufliche Berührungspunkte mit Zusatzstoffen? Haben Sie etwas in der Richtung gelernt/studiert?

Nein, mit Zusatzstoffen habe ich genau die Berührungspunkte, die jemand anderes im Supermarkt auch hat. Man guckt mal auf die Zutatenliste und ist sich unsicher, was diese E-Nummer, dieser seltsame Begriff, bedeutet. 

Ich selber bin Biologe und habe sozusagen mit dem Thema im Studium nichts zu tun gehabt. Aber ein bisschen eben ein Zugang zu naturwissenschaftlichem Wissen, das kann man wieder benutzen, wenn es um die Anwendung von Zusatzstoffen geht.

Red: Welcher Zusatzstoff fasziniert Sie am meisten?

Also, von den rund 340 E-Nummern sind alle irgendwie interessant und faszinierend. 

Es gibt solche Sachen, wie Gold, die 175, die man in einem Luxusartikel, wie das Danziger Goldwasser oder auch Pralinen hat. Und es gibt irgendwelche Dinge, die in Anführungsstrichen dem Verbraucher ja ein bisschen unkenntlich machen, was er da kauft, den Geschmack und das Mundgefühl verändern. Also, Faszination üben alle Stoffe auf mich aus.

Red: Warum sollen diese Zusatzstoffe nicht mehr im Essen sein, sondern im Museum?

Sie sind im Museum gut aufgehoben, weil es in vielen Bereichen bessere Methoden gibt, als Zusatzstoffe einzusetzen. Und sie haben eine lange Geschichte. Wir betrachten hier auch die Geschichte der Stoffe und es gibt durchaus welche, wie den Schwefel, den sie vielleicht von Trockenfrüchten kennen, die schon seit Jahrtausenden eingesetzt werden. Und von daher ist es wichtig, sich mehr darüber zu informieren. Aber wenn wir dieses Konzept im Supermarkt weiter behalten wollen, wie es heute ist, dann müssen wir auch mit manchen Zusatzstoffen leben.

Red: Welche Menschen möchten Sie mit Ihrem Museum ansprechen?

Das Museum spricht eigentlich alle an, die im Supermarkt einkaufen und sich irgendwann mal gewundert haben, warum es solch ein Produkt gibt, das sie da in der Hand halten. Besonders kommen natürlich gerne jung gewordene Eltern zu uns, die sich Sorgen machen, ob ihr Kind sich falsch ernährt. Aber auch jemand, der vielleicht unsicher ist, ob er seine Ernährung umstellen und richtige Zutaten haben sollte. Auch jemand, der nur an Kultur interessiert ist, denn letztendlich sind Zusatzstoffe auch ein Kulturgut.

Red: Was kann man von einem Besuch bei Ihnen erwarten?

Ein Besucher hat hier die Möglichkeit,  zum Nachdenken animiert zur werden, über das, was man vielleicht alltäglich zu sich nimmt oder jede Woche in den Einkaufswagen legt. Und einige fühlen sich dann so ein bisschen wie bei einem Besuch eines Horrorfilms - etwas unsicher. Aber das verfliegt meistens schnell wieder. Ich denke, die meisten Leute sind gestärkt und fühlen sich wohl informiert, nachdem sie hier waren. 

Red: Wofür steht das E?

Das E bei den Zusatzstoffen steht für Europa. Es ist einheitlich. Seit 1996 haben alle Mitglieder ein einheitliches System. Die Stoffe sind allerdings noch nicht alle, die eingesetzt werden, d.h. man muss sich über die 340 E-Nummern auch noch ein bisschen mehr mit dem Thema beschäftigen.

Red: Sie leisten eine tolle Arbeit, indem sie versuchen den Konsumenten zu zeigen, was wirklich im Essen ist und die Gesetze zur Transparenz von Zusatzstoffen zu ändern. Ist das Ihre Mission?

Es ist auf jeden Fall eine Mission des Museums, mehr Informationen über die alltäglichen Supermarkt Produkte zu bringen. Das andere ist aber, sich überhaupt mehr in die Diskussion zu begeben. Wir haben vielfach auch Leute, die zur älteren Generation gehören, für die Kochen noch selbstverständlich ist, die aber noch gar nicht wahrgenommen haben, dass sie dieses Wissen noch weitergeben müssen. Weil es ganz wertvoll ist für die nächste und übernächste Generation, zu wissen, was wann Saison hat, wie man mit etwas umgeht und wie man aus wenig doch noch viel machen kann.

Red: Was empfehlen Sie unseren Lesern?

Meine Empfehlung ist auf jeden Fall einmal die Ausstellung zu besuchen und sich im Supermarkt nicht verrückt zu machen. Man muss sich ein Raster bilden, wo man sagt, dass man einfach die moderne Technik in Kauf nimmt. Als Entlastung oder um ein schönes Produkt zu kaufen. Obwohl man vielleicht sagt, darüber möchte ich selber mehr Kontrolle haben, und kaufedann die Zutaten ein und koche selber.

» hier erfahren Sie mehr über das Museum

 

Veröffentlicht am